In Deutschland fallen jährlich rund 750.000 Tonnen Altkleider und andere Textilien in Sammelcontainer. Sie sind Zeugnis der westlichen Wegwerfmentalität. Durchschnittlich 12kg Kleidung und weitere 12kg Textilien kaufen die Deutschen jedes Jahr neu, (von denen 10 bis 15% nie oder nur ein Mal getragen werden,) während der weltweite Durchschnitt bei 5 bis 7kg liegt.
Aber was sind die Folgen von diesem exzessiven Kleiderkonsum?
Der exzessive Kleiderkonsum wirkt sich sowohl fatal auf die Umwelt aus als auch auf die Menschen, die direkt oder indirekt an der Herstellung beteiligt sind.
Für die Herstellung von Kleidung bedarf es riesiger Mengen an Rohstoffen, wie Baumwolle. Diese wird in „Entwicklungsländern“ wie z.B. Indien angebaut und wird ca. 25 Mal mit giftigen Pestiziden gespritzt. Der Herstellungungsprozess verteilt sich über zahlreichen Ländern, sodass die Kleidungsstücke eine wahre Weltreise – mit einer schlechten CO2-Bilanz durch die weiten Transportwege – hinter sich gebracht haben bis sie zu den Konsumenten_innen gelangen.
Um eine Jeans-Hose herzustellen bedarf es mehrerer 1.000 Liter Wasser – Wasser das in Ländern wie Indien ein knappes Gut darstellt.
Die NäherInnen, die oft Kinder sind, arbeiten teils unter menschenunwürdigen Bedingungen und verdienen meist weniger als sie zum Leben benötigen.
Je mehr Kleidung konsumiert wird desto größer ist die Ausbeutung an der Umwelt und den Menschen.
Was passiert mit der Kleidung in den Altkleidercontainern?
Viele Menschen werfen ihre alte Kleidung in Sammelcontainer mit den Gedanken etwas Gutes zu tun, weil sie glauben, dass ihre Kleidung karitativen Zwecken zu Gute kommt.
Doch der Schein, der sich auf den Containern befinden Label von Hilfsorganisationen trügt allzu oft. Hinter diesen Altkleidersammlungen verbergen sich meistens kapitalistische Unternehmen, die lediglich das Label eines gemeinnützigen Vereins gemietet haben.
Diese Unternehmen lassen die Waren – die sie umsonst bekommen – in riesigen Sortieranlagen nach Qualität sortieren, um die gute Ware in Osteuropa zu verkauften und die minderwertige Ware (etwa 60%) nach Afrika auf den Markt zu bringen. Doch auch in Afrika wird die Kleidung nicht etwa an hilfsbedürftige Menschen verschenkt, sondern verkauft.
Da es für die gebrauchten Kleiderwaren in Afrika keine Produktionskosten gibt, können die Händler_innen die Altkleider viel günstiger verkaufen als die afrikanische Textilindustrie ihre Produkte anbieten kann. Die afrikanische Textilindustrie ist so fast völlig zusammengebrochen weil, sie mit den billigen Kleidern aus Europa nicht konkurrenzfähig ist. Die Folgen sind also noch mehr Arbeitslose in Afrika, wodurch die Bevölkerung immer ärmer wird und zudem sich nie aus der Abhängigkeit der westlichen Industriestaaten befreien kann.
Der Nangijala-Umsonsttrödel und andere Umsonstläden sind eine nachhaltige Möglichkeit, gebrauchte Kleidung, die nicht mehr passt oder gefällt ab zu geben, wo Menschen ohne an dem zerstörendem System teilzunehmen, an Kleidung und andere Sachen gelangen können.
Insgesamt fordert die Problematik dazu auf, dass sich jede_r Konsument_in kritisch fragt, was er/sie wirklich braucht und was ein unnötiger Kauf (oder Mitnahme vom Trödel) ist, was vielleicht nur ein durch die Gesellschaft verursachter Konsumzwang ist und kein tatsächliches Bedürfnis darstellt. Sinnvoll ist es in jedem Fall auch, Kleidung so lange wie möglich zu tragen. Kleine Löcher können geflickt werden und Kleider, die nicht mehr gefällt, können kreativ umgestaltet werden.
